Das Fohlen
Teil 2: Das Neugeborene
Von der Erstuntersuchung über die Muttermilch bis hin zum schlechten Allgemeinbefinden – was in den ersten Stunden und Tagen nach der Geburt wichtig ist.
Das Fohlen ist endlich da, Aber worauf sollte in den ersten Lebensminuten und Tagen geachtet werden? Es gibt einige Situationen und Symptome, die schnellstens tierärztlich abgeklärt werden sollten.
Teil 2: Das Neugeborene
Untersuchung des Neugeborenen
Das Neugeborene
Das Fohlen sollte binnen 2 – 4 Stunden von der Stute gesäugt werden, da andernfalls das Risiko einer Hypoglykämie (Unterzuckerung) und einer unzureichenden Kolostrumaufnahme besteht.
Vitalwerte des Neugeborenen
- Temperatur: 37 – 39 °C
- Puls: 70 – 120 Schläge pro Minute
- Atmung: 20 – 40 Atemzüge pro Minute
Die 1-2-3-Regel
- 1 – 2 Std., bis das Fohlen steht
- 2 – 3 Std., bis das Fohlen trinkt
- 3 Std., bis die Plazenta abgeht
(Leichte Abweichungen sind immer möglich.)
Wissenswertes über Kolostrum
- Eine Stute produziert ca. 1,8 – 2,8 Liter Kolostrum (guter Qualität)
- Innerhalb 1 – 3 Tagen ist der IgG(Antikörper)-Gehalt nach dem ersten Kolostrum vollständig abgebaut
- Nach 6 Stunden ist die IgG-Aufnahmekapazität des Fohlendarms deutlich reduziert, nach etwa 36 Stunden vollständig verschwunden
→ Daher auf frühzeitige und ausreichende Säugung achten!
Das Säugen
Wie viel Milch benötigt das Fohlen?
Fohlen trinken mehrmals pro Stunde – ca. 2 L Milch pro 10 kg Körpergewicht pro Tag.
- Bei zu geringer Milchproduktion kann Milchersatz zu Hilfe genommen werden
- → Bei gesunden kräftigen Fohlen mit der Flasche möglich; bei schwachen Fohlen ist es aufgrund der Gefahr von Aspirationspneumonie* besser, aus einer Schüssel zu tränken
- Sollte Milch aus den Nüstern tropfen, können Erkrankungen dahinter stecken, welche tierärztlich abgeklärt werden sollten
*Aspirationspneumonie = Lungenentzündung in Folge von Fremdstoffen (Verschlucken von bspw. Nahrung o. Flüssigkeit)
Klinischer Notfall – eine Übersicht
Wann ist Handeln nötig?
- Das Fohlen kann nach ca. 6 Std. nicht selbstständig stehen und saugen
- Abdominale Aufgasung oder Kolik
- Kalte Extremitäten/Unterkühlung, Fieber, geschwollene Gelenke
- Herzfrequenz weniger als 60 oder schweres Herzgeräusch
- Verhalten: müde, uninteressiert an der Umgebung
- Große/nicht reponierbare Hernie (bspw. Nabel-/Leistenbruch)
- Schwach, ggf. mit mittelschwerem bis schwerem Durchfall
Normales Fohlenverhalten
Ein gesundes Fohlen zeigt einen regelmäßigen Rhythmus aus:
- Schlafen
- Trinken
- Urinieren
- Spielen
In allen zuvor genannten Fällen sollte das Fohlen in tierärztliche Betreuung gegeben werden!
Bei Unsicherheit und Symptomen wie bspw. leichtem Durchfall sollte frühzeitig ein Tierarzt konsultiert werden.
Bei Fragen sind wir für Sie da
Sollten Sie unsicher sein oder Auffälligkeiten bei Ihrem Fohlen bemerken, zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren.
Sprechen Sie uns an
Weiter geht es in Teil 3: Der erste Lebensmonat